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will den Staub von deinem Saume küssen und sterbend den Kopf unter deine Absätze legen, Violante!“

Er rang, berauscht von den eigenen Worten, um einen ihrer Blicke. Sie strich sich, nach langen Minuten, mit zwei Fingern über die Stirn und sagte:

„Lassen Sie mich, ich möchte allein sein.“

„Du verzeihst mir nicht? O Violante, sei gnädig!“

Sie zuckte die Achseln. Er flehte mit Thränen in der Stimme:

„Nur ein Wort, daß du mich nicht verdammst! Violante! Du verdammst mich nicht?“

„Nein, nein.“

Sie wendete, unfähig den Auftritt länger auszuhalten, den Hals hin und her.

„Gehen Sie jetzt.“

Er ging endlich, mit schwerem Tritt, weichen Gliedern, aufgelöst in Gefühl und immerfort murmelnd:

„Dank … Verzeih’ … Verzeih’ … Dank.“

∗             ∗

Sie begab sich sogleich in ihr Schlafzimmer. Sie schickte die Kammerfrau hinaus und begann selbst sich zu entkleiden. Nach dem Erlebten war jede Berührung mit einer menschlichen Haut ihr widerlich. Aber ihre Hände waren schlaff; sie verlor sich immer wieder in Gedanken. Ihre Verwunderung war so mächtig wie seine, doch ganz unvermischt mit Genugthuung.

Also das war alles? Das war alles, was sie hatte erfahren sollen? „Ich wollte lieber, ich hätte es nicht erfahren … Übrigens ist es zum Lachen.“ Sie

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