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Worten, sagen Sie? Sie wissen nicht, Freund, was Begeisterung ist, sonst wären Sie heute abend begeistert!“

Er streckte den Ankommenden die Hände hin.

„Wie gnädige Frau? Bewegung und Tätigkeit, das ist alles, und das lehrt uns die Musik des Maestro Viviani!“

„Eine Frau kann nicht handeln,“ sagte sie; „und daß ich bei den Komödianten war, werde ich morgen dem Don Taddeo beichten müssen. Inzwischen werden die Gewissensbisse mich nicht schlafen lassen.“

„Ich wußte, meine Liebe, daß es so enden würde“, sagte Camuzzi.

„Und der Maestro?“ rief der Advokat die Gasse hinauf. „Wir haben ihn verloren?“

Der Kapellmeister winkte, bevor er sich von der Rampe losriß, noch einmal in das Dunkel der Höfe und Häuser hinab, das ihm voll lauschender Atemzüge schien.

„Ja, ich werde euch wohltun! Durch mich werdet ihr glücklicher werden und einander lieben. Ein Mädchen, das meine Arie aus einem Fenster singt! Ein Junge, der mit seinem Korb voll Gipsfiguren durch den Staub zieht und dem eine Melodie von mir die Straße weniger heiß macht! Werde ich nicht sein wie ein König, dessen Bild auf allen Münzen, in allen Händen ist? — und dessen Bild ein Sinnbild des ganzen Volkes ist!“

Er lief die Treppe zu Ende.

„Da wären wir alle beisammen,“ bemerkte der Advokat; „und wenn unser Theater auch nicht sehr zentral liegt, — der Bau eines neuen städtischen Theaters hier im Mittelpunkt wird trotz Ihrem Händeringen, Camuzzi, eine unserer nächsten Aufgaben sein —: so verschafft uns das doch einen Spaziergang, der hoffentlich allerseits angenehm war.“

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