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Darauf führte er seine angeregten Zuhörer in den Hof des Rathauses, zu der Madonna des Valvassore.

„Unser großer Cinquecentist hat sie seiner Heimatstadt geschenkt. Beachten Sie die Feinheit des Kolorits!“

Aber so viele Wachskerzchen der Advokat entzündete, die Fremden sahen hinter dem Drahtgitter nur etwas Schwarzes, Brüchiges. Bevor ihre Stimmung sinken konnte, drang er darauf, ihnen den hölzernen Eimer zu zeigen, den die Bürger der Stadt vor dreihundert Jahren denen von Adorna geraubt hatten. Ein mächtiger Krieg war deswegen zwischen den beiden Städten entbrannt. Beide hatten Blut und Wohlstand an diesen Eimer gesetzt. Die Götter, hieß es, hatten, unter die Heere der beiden Städte verteilt, um ihn mitgekämpft.

„Und wir, denen Pallas Athene half, haben ihn behalten, und er hängt in unserem Glockenturm“, schloß der Advokat. „Sie werden sehen, Sie werden sehen!“

Er hastete ihnen voran über den Platz. Am Pfahl der Bogenlampe stieß er sich heftig und sah voll Zorn hinauf.

„Sie steht an einer falschen Stelle. Ich würde sie nicht dorthin gestellt haben!“

Als sie drüben waren, zögerte er, wandte sich halb um und wisperte:

„Im Winkel neben dem Turm das schwarze Haus: sehen Sie nicht hin, ich beschwöre Sie, wir werden beobachtet.“

Er zog sie um die Ecke des Turms und sagte jedem einzeln ins Ohr:

„Dort hinten ist eine unserer größten Merkwürdigkeiten, das Geheimnis der Stadt, etwas Unerklärliches: ein Wunder, würden die Fanatiker sagen.“

Und er berichtete von Evangelina Mancafede, die seit neun Jahren nicht ausgegangen war, aber alles in der Stadt sah und wußte.

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