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straße. Sollte er hingehen? In diesem Falle nahm er ein Geschenk von einer Dame an, mit dem erschwerenden Umstande, daß er diese Dame als seine zukünftige Geliebte ansah. Besonders schlimm war es, daß Alle Adelheids Trüc mit dem Schneider zu kennen schienen. Brauchte die Geschichte denn aber wahr zu sein? Er war fast berechtigt, nicht daran zu glauben. Und wenn er den Betrag seiner Rechnung bezahlte, war er keineswegs verpflichtet, sich darum zu bekümmern, ob sein Schneider von anderer Seite, etwa von Frau Generalkonsul Türkheimer, noch mehr Geld erhielt. Übrigens ließ sich gar nicht darüber streiten, es handelte sich um einen notwendigen Schritt auf seiner Laufbahn. Wer den Zweck wollte, mußte die Mittel wollen.

Erst als diese Betrachtungen erledigt waren, zog er den gestrigen Gewinnst aus der Tasche seiner Frackhose. Er glättete die Banknoten auf dem Tische und ließ die Goldstücke klingeln. Aber er packte bald alles wieder zusammen und schob es nachlässig in den Rock. Denn er sagte sich, daß der Besitz dieses Geldes etwas durchaus natürliches, ihm schon längst zukommendes sei, über das er sich nicht aufregen dürfe. Das Leben, für das er geboren war, fing jetzt erst an.

Wie er ausgehen wollte, brachte ihm ein Lakai Frau Türkheimers Karte. Sie war an Herrn Behrendt, Mohrenstraße, adressiert. „Schon?“ dachte Andreas. „Flotter könnte es gar nicht gehen!“ Er stieg pfeifend die vier Treppen hinab, winkte einer Droschke erster Klasse und verließ sie Unter den Linden. An der Ecke der Friedrichstraße kaufte er für sieben Mark eine

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