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Unruhe wegen „Rache!“ Man fand entschieden keine Plätze mehr.

„Ich habe selbst nuch keine,“ wiederholte Frau Türkheimer. „Ich muß mich auf Doktor Bediener verlassen.“

Sie goß Thee ein und sah sich nach Asta um, deren Verschwinden sie erst jetzt zu bemerken schien.

„Meine Tochter ist fortgegangen? Ach, dann muß ich Sie in Anspruch nehmen, Herr Zumsee!“

Andreas eilte herbei, und er befleißigte sich, während er den Damen die Tasten reichte, eines so ausgesuchten Anstandes, daß die neu angekommene Kleine ihn durch ihr Glas mit sichtlicher Anerkennung musterte. Sofort fühlte er sich moralisch gehoben,

„Sie vergessen Fräulein von Hochstetten,“ bemerkte Frau Türkheimer.

„Wo?“ fragte er erstaunt.

Sie wies lächelnd nach der Fensternische, wo Asta und ihr Bräutigam sich aufgehalten hatten. Dort saß das Fräulein, hinter dem gelbseidenen Vorhang fast versteckt. Wenn ihr Bruder vor lauter Blutarmut nur wenig sprach, so schwieg sie ihrerseits aus Stolz. Sie geriet in dem Winkel, wo sie Platz nahm, alsbald in Vergessenheit und blieb bis zuletzt da, die feinen kritischen Augeu hinter den Gläsern ihres Lorgnons verborgen. Die Hochstettensche Nase erlaubte ihr keinen Anspruch auf Schönheit zu machen. Mit dreißig Jahren stand der endgültige Verzicht in ihrem mageren, vornehm umrissenen Gesicht. Der Mund, schmal und gepreßt, ließ Spöttereien befürchten, die die Frauen vou ihr fernhielten. Sie schien zu sagen:

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