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Ein gewichtiges Drama waren sie nicht wert, er be schloß sie von oben herab zu behandeln. Er wandte sich um und beobachtete im Spiegel ein Siegerlächeln auf seinen Lippen.

Dann schrieb er in einem Rausche jäher Begeisterung das poetische Selbstgespräch eines Gatten nieder, der sich über die bei seiner Frau plötzlich eingetretene seelische Leere wundert und sie vergebens zu begreifen sucht. Der Refrain lautete:

„Wer möchte sie denn auch entwirr’n,
Die Rätsel in dem kleinen Hirn!“

Die letzte Strophe war ausgesprochen unanständig, was Andreas vorübergehend beunruhigte. Doch erinnerte er sich daran, daß er auf das Publikum von „Rache!“ zu wirken habe. Wirklich nahm Adelheid, der er sein Werk mitteilte, nicht den geringsten Anstoß daran. Sie zeigte sich stürmisch bewegt von den Schönheiten des Gedichtes, prophezeite dem Dichter die höchsten Ehren und eine strahlende Zukunft, und entfaltete, angefacht durch die Bewunderung seines Genius, eine so heiße Leidenschaft, daß sie ihn mit sich riß wie in den ersten Tage ihrer Liebe.

Dann fiel ihr ein, daß ein Darsteller beschafft werden müsse, um die von Andreas erdachte Idealgestalt zu verkörpern. Es würden einige Proben nötig sein. Sie bestimmte den kommenden Freitag als Tag der Aufführung. Wahrend ihres eiligen Abschiedes ermahnte sie den jungen Mann, den die so nahe Aussicht auf ein erstes persönliches Zusammentreffen mit dem Publikum in Erregung versetzte:

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