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nicht warten kann. Aber sie ist unentschlossen, sie streift den Rock ab. Er lärmt stärker, beginnt zu schelten; sie findet das brutal und macht sich an ihrem Korsett zu schaffen. Plötzlich wird es still, man hört durch das Schlüsselloch seine keuchenden Atemzüge. Sie fängt an, ein heftiges Vergnügen zu empfinden. Sehr begreiflich, nicht wahr? Sie löst ihr Haar, geht daran, sich zu waschen —. Er fleht hinter der Thüre, ganz windelweich. Dann wieder ein Wutausbruch, er versucht, das Schloß zu erbrechen; umsonst, und er weint, herzzerreißend. Auf einmal stirbt er! Ja wirklich, er stirbt! Man hört ein widerwärtiges Röcheln. Sie lächelt glücklich ins Publikum und zieht sich langsam und mit Genuß das Hemd über die Schultern. Sehr fein, finden Sie nicht?“

„Sehr fein,“ wiederholte Andreas. „Überhaupt der Sadismus.“

Sie seufzte; dann streckte sie einen Arm aus, um auf einen Knopf am Boden zu drücken. Sogleich setzte der Tisch an ihrer Seite sich in Bewegung. Er rutschte lautlos über den Teppich, verschwand hinter einem Vorhang, und kehrte bald aus der gegenüberliegenden Wand ins Zimmer zurück. Er brachte Thee und Cigaretten mit. Frau Pimbusch sog den süßen Duft des verbrannten Tabaks begierig ein.

„Ah! Der Sadismus.“ bemerkte sie. „Zum Beispiel, wenn ich Fleisch esse. Sie verstehen doch, das Fleisch unserer Mitgeschöpfe!“

Hierauf versank sie in ein Schweigen, schwer von Sinnen und Begehren. Er beobachtete, wie ihre Nasen-

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