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Unglaublichem: der Vollkommenheit. Ich ergieße mich in lauter Vollkommenes.

„Was hätte mir der Himmel weiter zu geben. Die Kunst macht mich zu einer Unbewegten, Schauenden, Verweilenden. Eine Göttin legt mir mein Leben in die Hände als eine köstliche Vase, ambraschimmernd, klar, kühl und überzogen von Bildern. Ich halte sie in den Händen, meine Finger gleiten an den Profilen der Figuren entlang. Die Mänade taumelt, die Nymphe lacht, und ein Widerschein ihres ewigen Prangens fällt auf die vergängliche Hand.

„O, ich will sie in ruhigen Händen halten, die stille Vase meines Lebens, daß keine Verletzung, kein Fleck und kein zudringlicher Hauch der trüben Welt ihren keuschen Glanz entstelle, — bis an die Stunde, da ich sie dankbar und glücklich zurücklege in die Rechte der Göttin, die sie mir lieh: der immer sehnsüchtigen, immer fremden, immer von Olivenzweigen umsprossenen Pallas.“

 

IV

 

Sie hielt ihr Leben in Händen, die nicht zitterten, sieben Jahre lang. Man kannte sie kaum. Sie war die nächste Vertraute von allem, was in Venedig versteinert oder in unerreichbaren Farben schlief und prangte. Für alles was umherhastete, kränklich aussah und Eitelkeiten besaß, blieb sie eine Fremde. Ihr

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