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enger Kreis umschloß fast immer die gleichen Personen, und keiner davon konnte sich rühmen, einen Zugang offen gefunden zu haben zu ihren Verschwiegenheiten. Sie veranstaltete Feste, ihre Gäste gaben ihr ein Schauspiel. Sie machten ihr das Haus bunt und warm, und zwischen sich und der Herzogin von Assy empfanden sie etwas wie eine erleuchtete Rampe.

Zuweilen aber richtete sie ein herzliches Wort an Weithergekommene, die nächsten Tages weiterreisten.

Sie hatte irgend ein junges Mädchen aus dem Norden über den Markusplatz schlendern gesehen, selbstbewußt und ahnungslos. Acht Tage darauf fand sie sie an der nämlichen Stelle, verlegenen Gesichts und mit Schritten, die zögerten. Und wieder eine Woche später stand dasselbe Wesen am Ende des Platzes und lächelte nicht mehr. Die Angst vor dem Unfaßlichen legte sich unmerklich auf ihre Miene.

Im Hof des Dogenpalastes, vor der Riesentreppe, traf sie manchmal junge Engländerinnen, drei oder vier. Statt des ärmlichen Reiseführers brachten sie ein kostbares und schweres Buch mit. Sie öffneten den vergoldeten Pergamentdeckel; eine las, und die anderen sahen hinauf zu den Giganten. Die buntseidenen Shawls fielen von ihren weihleinenen Sommerhüten über ihre gelben Locken, und da sie an fingen zu fühlen, wurden sie nahezu schön.

Die Herzogin ließ jemand ihnen nachgehen bis an ihr Hütel; dann lud sie sie eiu. Mortœil und der alte Dolan machten sich hinterher lustig über die schüchternen Gestalten, die eines Abends schweigsam

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