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Die kleine Linda stellt ihren Kasten her wie einen Opferstock.“

Die Herzogin lachte. Er erzählte noch.

„Der riesige Smaragd ist von Lady Olympia. Und hier, das Armband mit den Opalen, kommt von der Lilian Cucuru, die ist ja jetzt beim Theater…“

Dann öffnete er ihr die Thür, und sogleich spazierte, mit kalten, pflichttreuen Gesichtern, eine Familie von Fremden herein, beim Erledigen von Sehenswürdigkeiten begriffen. Hinterher kam der Diener und überbrachte dem Maler eine Karte. Jakobus sagte:

„Frau Claire Pimbusch aus Berlin. Aha, das ist die Dame, die ich malen soll. Sie kommt nur meinetwegen nach Venedig. Den Preis haben wir schon abgemacht, — alles in Ordnung … Ich stehe der Dame zu Diensten.“

Feierlich, mit übertrieben hochmütiger Miene, geleitete er die Herzogin an mehreren Besuchern vorbei, durch das Schau-Atelier, wo er niemals arbeitete, — einen weiten Raum mit hoher, flachgewölbter und altgolden kassettierter Decke, und mit verschlissener Seide an den Wänden, die verschwanden unter alten Bildern, tief leuchtenden oder gebräunten; mit einer gedämpften Pracht von Teppichen, auf deren Arabesken geschnitzte Tische wuchteten unter den steifen Falten brokatener Überwürfe, und Marmorkonsolen auf goldenen Füßen und voll geschwärzter, verschlossen blickender Porträtbüsten.

Sie durchschritten die schwarz und marmorn umrahmte Pforte des Gemaches, das schwer und bezaubert

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