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was. Aber sie sahen es einander an. Sie standen dort, wo Clelia sie schon erblickt hatte. Eine jugendliche Sibylle mit alten Zügen, hatte jene an ihrem Kamin, aus den Krümmungen des brennenden Holzes, der enttäuschten Liebe ihren letzten Wunsch vorhergesagt: — zu sterben.

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Die Sucht nach Sattheit trieb sie immer wieder zu einander. Die Herzogin suchte nach einem Mittel sich selbst zu überwinden nnd mit ihm zu brechen. Sie erinnerte sich seiner Frau; seit jener ersten Nacht, da sie hinter dem Gartengitter, auf der Lagune gesessen und geschluchzt hatte, war Bettina verschwunden.

„Wo ist sie?“

„Frage den Doktor Giannini.“

Von dem Arzte erlangte sie mit Mühe das Geständnis, Frau Halm sei in der Irrenanstalt. Sie geriet außer sich, sie verlangte, daß er sofort mit ihr fahre, um die Unglückliche zu holen.

„Wohin mit ihr, Hoheit?“

„Mir gleich. Nach Castelfranco. O, sie wird niemand Schaden zufügen. Ich lasse sie pflegen.“

Kaum war Bettina in die Gondel gehoben, so begann sie zu plappern, zuckenden Gesichts.

„Heil! Heil! Nun ist das Werk erschienen! Es ist fertig, nicht wahr? … Nicht? Sie antworten nicht? … Ach, ich weiß es ohnedies, daß alles vergeblich war. Wenn das Werk da wäre, man würde es

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