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gingen schon. Die Künstlerin Fröhlich sagte noch, strahlend von Lebenslust:

„So leben wir für Alltags, Professorchen. Sonntags machen wir es noch viel schneidiger.“

Und gleich darauf brach sie in Schluchzen aus. Unrat sah erstaunt und durch einen Schleier, wie sie die Nase zwischen ihre beiden, auf dem Tisch liegenden Hände drückte, und wie ihr verbogenes Diadem auf und nieder flog.

„Das is ja man die glänzende Außenseite,“ brachte sie hervor. „Drinnen gibt’s nichts als graues Elend ...“

Sie jammerte noch weiter. Unrat suchte peinlich nach etwas, das er ihr sagen könne. Indes kam Kiepert von draußen, hob Unrat vom Stuhl und erklärte, ihn hinausgeleiten zu wollen. Unter der Tür hatte Unrat etwas gefunden. Er wendete sich, und seine Hand tastete durch die Luft, mit Anstrengung zurück nach der Künstlerin Fröhlich, die schon schlief, und versprach ihr:

„Ich werde versuchen, Sie durchzubringen.“

Dies konnte ein Lehrer vor der Versetzung zu einem Schüler sagen, dem er wohlwollte, oder er konnte es über ihn denken. Aber Unrat hatte es noch zu keinem gesagt und von keinem gedacht.

 

VII

 

Es war Achteinviertel und Unrat noch immer nicht da. In der Gier, ihre Freiheit auszunutzen,

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