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„Es reizt mich nicht. Unrat ist unter allem Schindluder,“ erklärte Lohmann. Kieselack flehte stürmisch.

„Sei doch kein Frosch. Du hast bloß Angst.“

Ertzum entschied plötzlich:

„Also los! Ins Kabuff!“

Eine wilde Neugier hatte ihn gepackt. Er wollte diesem Weib gegenübertreten, das aus solcher Höhe gestürzt war! Er wollte von ganz oben einen Blick über sie und ihren elenden Verführer hinwerfen und sehen, ob sie den Blick aushielt.

Lohmann erklärte:

„Ihr seid geschmacklos.“

Aber er ging mit.

 

In der Garderobe empfing sie Gläserklirren. Der Wirt entkorkte gleich die zweite Flasche Sekt. Das Ehepaar Kiepert neigte sich mit strahlenden Gesichtern über Unrat und die Künstlerin Fröhlich, die in eins verschmolzen hinter dem Tisch thronten.

Die drei Schüler gingen zuerst einmal um den Tisch herum. Dann pflanzten sie sich vor Unrat und seine Dame hin und wünschten einen guten Abend. Nur die beiden Kiepert antworteten und schüttelten ihnen die Hände. Darauf wiederholte Ertzum allein und mit rauher Stimme seinen Gruß. Rosa Fröhlich blickte verwundert auf und sagte unbefangen, mit einem zwitschernden, girrenden Stimmchen, das er noch gar nicht kannte:

„Na, da seid ihr ja. Sieh mal, Schatz, da sind sie. Setzt euch man hin un prost.“

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