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besitzt nämlich eine Großmutter, welche keinen Anstand nimmt, ihn mit Prügeln zu versehen,“ sagte er zu der Künstlerin Fröhlich, in der Absicht, Kieselack in seiner Manneswürde zu beeinträchtigen.

Kieselack war sich aber bewußt, durch ganz andere Mittel als Manneswürde seinerzeit bei der Künstlerin Fröhlich das Ziel der Klasse erreicht zu haben. Er rieb sich das Gesäß und plärrte, während er heftig nach seiner Nasenspitze schielte:

„Großmutter haut mich, wenn ich mein Thèmeheft nicht wiederfind’. Es is mir so gewiß hier in ’n Kabuff untern Tisch gefallen.“

Und er ließ sich ganz plötzlich daruntergleiten, griff der Künstlerin Fröhlich an die Beine, raunte ihr in dem Geschrei, das die Kieperts unterhielten, aus der Tiefe seine Forderungen zu. Widrigenfalls verrate er alles an Unrat.

„Kleine Rotztulpe,“ sagte sie bloß hinab und stieß ihn mit dem Fuß beiseite.

Zugleich redete Unrat den zweiten Schüler an.

„Nun also, von Ertzum — immer mal wieder. Sie erwecken durch Ihren Gesichtsausdruck den Anschein, als bewähre sich Ihre Fassungsgabe hier ebenso mangelhaft wie in der Klasse. Sind nicht Sie es, der — aufgemerkt nun also! — der Künstlerin Fröhlich einen Heiratsantrag zu machen sich unterfangen hat? … Ihrem einfältigen Glotzen entnehme ich bereits die Antwort. Drum denn, von Ertzum, die Künstlerin Fröhlich hat Sie über die einem Schüler gesetzten Grenzen belehrt. Ich brauche dem nichts hinzuzufügen. Stehen Sie einmal auf —“

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