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dann davon sprach, sie in ein möbliertes Zimmer zu stecken, verlor sie die Geduld und verlangte bündig eine eigene Einrichtung. Unrat war tief erstaunt.

„Da du jedoch mit dem Ehepaare Kiepert zusammmen zu wohnen pflegst…“

Sein Geist war auf Erhaltung gerichtet; in so durchgreifende Umwälzungen mußte er sich erst hineindenken. Er arbeitete angestrengt.

„Wenn aber — aufgemerkt nun also! — das Ehepaar Kiepert die Stadt verläßt?“

„Un wenn ich nich mitwill?“ ergänzte sie. „Was tu’ ich denn woll?“

Er war ratlos.

„Nu? Unratchen? Nu?“

Sie hüpfte ihm vor den Füßen umher; und triumphierend:

„Denn bleib’ ich hier!“

Ein Glänzen brach aus seinem Gesicht. Solch eine Neuigkeit wäre ihm niemals eingefallen. „Dann bleibst du — hier,“ wiederholte er mehrmals, um sich daran zu gewöhnen.

„Das ist denn freilich recht brav,“ setzte er anerkennend hinzu. Er war beglückt; und trotzdem bedurfte sie einige Tage später wieder ihrer ganzen Kunst des Einflüsterns, bis er es heraus hatte, daß er sie nicht mehr im Blauen Engel essen lassen, sondern ihr die Mahlzeiten in einem guten Hotel bezahlen sollte.

Als er es heraus hatte, wollte er sogar mit ihr zusammen essen. Dies lehnte sie ab, und er war enttäuscht. Dafür erlaubte sie ihm, ihr im Schwedi-

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