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begab sie sich in den Zuschauerraum. Sie begriff nicht, wo Unrat hingekommen sei.

 

Unrat hatte sich während der allgemeinen Heiterkeit mit langen Schritten davongeschlichen. Er floh wie über einsinkende Dämme, unter Wolkenbrüchen, an speienden Vulkanen hin. Alles um ihn her fiel auseinander und riß ihn in Abgründe; — denn die Künstlerin Fröhlich trieb Nebendinge! Lohmann und die andern, die Unrat für immer besiegt und darniedergeworfen glaubte, sie tauchten auf aus ihrem Nichts, sobald er nicht hinsah. Die Künstlerin Fröhlich nahm keinen Anstand, jene ihrer teilhaftig werden zu lassen. Von Kieselack gestand sie es ein, von Lohmann leugnete sie es noch. Aber Unrat glaubte ihr nicht mehr! Und er war hilflos erstaunt hierüber: daß die Künstlerin Fröhlich sich als unglaubwürdig herausstellte, Bis heute, bis zu diesem schrecklichen Augenblick war sie ein Stück von ihm gewesen; und unversehens riß sie sich los: Unrat sah zu, wie das blutete, und begriff es nicht. Da er nie mit Menschen Gemeinschaft gehabt hatte, war er nie verraten worden. Nun litt er wie ein Knabe — wie sein Schüler Ertzum gelitten hatte an ganz derselben Frau. Er litt ungeschickt, ungebärdig und mit Staunen.

Er ging nach Haus. Beim ersten Wort, das seine Dienerin an ihn richtete, fuhr er auf und jagte sie auf die Straße. Dann floh er in sein Zimmer, schloß ab, drückte sich ins Sofa und wimmerte. Von Scham ergriffen, raffte er sich auf und nahm das

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