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Unrat formte das Bildnis mit den Händen. Der Haß machte ihn zum Porträtisten.

„Und?“ fragte die Künstlerin Fröhlich, mit zwei Fingern am Mundwinkel. Aber sie hatte Lohmann schon wiedererkannt.

„Er ist — traun fürwahr — recht geschniegelt, und erachtet es für angemessen, seiner Eleganz durch ein schwermütig-unbeteiligtes Verhalten das Ansehen zu geben, als sei sie von selbst da und nicht vielmehr eine Tochter seiner, der Verachtung des Weisen würdigen Eitelkeit.“

Sie stellte fest:

„Das genügt. Mit dem kann ich nich dienen, tut mir leid.“

„Nachgedacht! Vorwärts!“

„Schade. Der wird nich gereicht“; und sie schnitt eine Clownsfratze.

„Ich weiß, daß er hier gewesen ist; ich habe Beweise!“

„Denn können Sie ihm die Krawatte ja alleine zuziehn und brauchen mich nich dazu.“

„Ich habe da in meiner Tasche das Aufsatzheft des Lohmann; wenn ich Ihnen dasselbe zeigen würde, dann zweifle ich nicht, daß Sie sofort zugeben würden, ihn zu kennen … Drum denn, soll ich es Ihnen zeigen, Künstlerin Fröhlich?“

„Ich bin ganz närrsch drauf.“

Er griff in seinen Rock, errötete wolkig, zog die Hand leer zurück, wagte es noch einmal ... Sie las endlich Lohmanns Verse, angestrengt, wie ein Kind über der Fibel. Dann, aufwallend:

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