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„Keineswegs. Da ich mich ja ausspreche, jetzt eben, — und aus ganz unverbindliche Weise. Ich sage euch noch mehr: Ich werde nächstens den Majestäten vorgestellt werden und habe, abgesehen von denen die nicht mitzählen, zwei richtige Verhältnisse — davon eines mit dem Sohne der Dame die mich vorstellen wird.“

Vinon genoß brünstig ihre eigenen Geständnisse, sie berauschte sich an ihrem gefährlichen Spiel.

„Ich erzähle euch das unbesorgt, Trontola und Lilian, meine Freunde. Sagt ihr’s weiter, so glaubt euch niemand. Heute nacht wird vieles geredet und gethan, wovon morgen niemand etwas wird wissen wollen.“

„Wie ich dich verachte!“ rief Lilian, aus tiefer Seele.

„Ich erklärte dir schon, daß Verachtung das einzige ist, was dir übrig bleibt. Alles übrige hast du verscherzt. Nur ich bin die richtige Principessa Cucuru, - diejenige, die ihre Familie bei Hofe durchsetzt, diejenige, die sich alles erlauben darf, und die den berühmten Jean Guignol geheiratet hat. Meine Schwester hat sich bloß von ihm verführen lassen, und sie genügte ihm nur so lange als er noch ein Zigeuner war … Nun ist sie allein geblieben in ihrer Schwäche.“

„Ich bin stark!“ rief Lilian erbittert.

„Schwach bist du, es ist zu klar. Wenn man nicht imstande ist seine Leidenschaften oder seine Gelüste der Welt gegenüber zu behaupten, dann empört man sich, flüchtet ins Dickicht, schleudert Verwünschungen,

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