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Ballnacht. Ich redete mir damals ein, an Ihnen zu rätseln, Ihre Spiegelbilder verstehen zu lernen: welch Irrtum! Ich weiß nichts, gar nichts von Ihnen. Und ich fühle mich defloriert von Ihnen. Es war oft sehr schwer erträglich…“

Sie erblickte ihn ganz blaß, und sie lächelte. Er beugte sich bittend über ihre Hand. Aber sie nahm sie weg.

„Warum?“ stotterte er. „Habe ich Sie gekränkt?“

Sie lächelte weiter und dachte: „Ich werde nicht sagen, daß meine Hand im Augenblick zu kalt ist. Du, der schwache Mann, magst mir die ganze Mutlosigkeit deiner Seele eingestehen. Aber ich verrate dir nichts dafür von der seltsamen unterirdischen Verwandlung meines Körpers, der sich zurückbildet und insgeheim verdorrt. Wenn du jetzt die Hand auf mein Herz legen und fühlen könntest, wie es ganz schwach davonjagt, um in der nächsten Minute heftig zu klopfen — du wärest gerächt, glaube ich! Wenn ich dich merken ließe, daß mir der Atem versagt! Heute nacht wird mir der Kopfschmerz die Thronen in die Augen drängen, und auch das Verlangen nach dem Manne … Wenn ich sogar in Krämpfen liege, — ihr erfahrt das nicht. Es sind schon vier Jahre, daß es dauert, daß es zunimmt, und daß ihr es nicht wißt … Ich bin stolz darauf, einen Körper beherrschen zu müssen!“

Und ihr stolzer Wille allein brachte es fertig, daß durch ihre Haut eine gesunde Röte schien. Jean Guignol war blaß. Sie saßen unter rauschenden Stein-

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