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thun. Roland von Hochecorne hatte seinen Vetter erschlagen und mußte der Kirche tausend Dukaten zahlen, um von seiner Sünde loszukommen … Das war das Leben; es war einfach, ohne Fieber, ohne Zweifel.

Zum Abschied küßte er sie, unter den Sternen, während Leuchtkäfer um sie her schwebten und Menthe bitter duftete. Sie hob seine Hände, in die ihrigen verschränkt, über ihre Köpfe, als ob sie mit ihm ränge; — und so sanken sie sich an die Brust.

Jeden Abend kehrte er wieder, nach der Arbeit seines Tages, nachdem er geerntet oder getötet, gekämpft oder Streit geschlichtet hatte. Sie dachte sich nur noch bei ihm. Er war so zart, daß er ihre Gedanken mit seinen Lippen auf ihrer Stirn zu finden wußte, und stark genug, um ihr Bruder und Geliebter, Beschützer und Vater zu sein. Und auch Kind war er ihr.

Er gab ihr so viel Ruhe, daß sie ohne Schreck, ja, ohne besondern Nachdruck aussprechen konnte: „Es heißt nun bald sterben.“ Sie war in angenehmer Erwartung eines neuen Spieles, das Sterben hieß, einer noch nicht getragenen Maske und einer unbekannten Erregung. Der Tod trat in ihren Geist wie in einen Zaubergarten; die glänzende Luft darin machte ihn blühend und leicht.

Sie wünschte sich einen Vorgeschmack von ihm. Sie genoß ihn nnt Asclitino; sie, die den Tod noch durchkosten mußte, mit ihm, der ihn schon erprobt hatte. Er erklärte ihr, daß der Tod von einer geliebten Hand sehr süß sei. Er bat sie darum.

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