Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/494

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die wirkliche. Im Park der Cascine kreuzten sich die Wagen, immer dieselben, immer der Vitali, zwischen seine zwei Damen eingeklemmt, zwei im Vorüberjagen aufwehende, leichtfarbige Gebilde aus Federn und Spitzen; immer die reichgewordenen Ladenbesitzer mit ihren dicken Frauen auf ihren Karren und die jungen Leute auf den ihren, mit ihren Kokotten; immer in den stattlichsten Karrossen ein safrangelbes Gesicht, böse aus Pelz heraus. Und immer Lola, dunkel gegen den perlgrauen steilen Fonds, den leidenden Glanz des Blickes unbeteiligt vor sich hin, auf die Rücken ihrer schwarzen Livreen. Nie mischte ihr Blick sich in das Durcheinander der Fußgänger. Der eine, wußte sie, war nicht darunter. Unter alten Bäumen, in einem verlassenen Gartenhause am Ende des ödesten der bröckelnden Plätze dort überm Fluß: in einer Welt, zu der kein Steg führte, die Lola nie betreten würde und aus der sie dennoch ihren Atem herleitete, weilte er und wußte von ihr. Nun hinter seinen Bäumen die Sonne zerfloß, erblickte sie ihn auf seiner Schwelle. Sein Kopf, die breiten Schläfen vorgeneigt, sank tiefer in die Hand, die ihn hielt. Sein Körper erschlaffte: sein Blick schwamm am Boden. Aber da zitterte über der Spitze der Zypresse der erste Stern; blaue Pfade entlang tänzelten Mondfüße; — und er hob die Augen, und in weißem Mondlicht zeigten sie ihr Bild. Er sah in Lolas Gesicht und sagte: „Auch du? Leidest auch du?“ — „Ich leide; aber ich bin stolz darauf. Schreibe mir nicht mehr, du Lieber! Ich will dir nicht mehr schreiben; will nicht mehr die Hand auf

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