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im Vermietungsbereich kam es ab den 1970er-Jahren vermehrt zur Einrichtung von Ferienwohnungen. Dies war einerseits eine Reaktion auf die Bedürfnisse der Gäste, anderseits wurde dies zur Arbeitersparnis und zur besseren Abgrenzung der Privatsphäre propagiert. Erst später wurde klar, dass Ferienwohnungen neue Perspektiven und Möglichkeiten für die Mehrgenerationenfamilien eröffnen. Besonders in den sensiblen Phasen der Hofübergabe beziehungsweise Hofübernahme können Ferienwohnungen in Hofübergeber- beziehungsweise Hofübernehmerwohnungen umfunktioniert werden. insbesondere durch separate Küchen können so eine Reihe von Spannungsfeldern, vor allem zwischen Jungbäuerinnen und Altbäuerinnen, entschärft werden. Ab 1990 gab es seitens der Landwirtschaftskammer wie auch der Tiroler Landesregierung spezielle Förderungsprogramme für den Umbau von Gästezimmern zu Ferienwohnungen. Bezeichnenderweise finden sich ab dieser Zeit vermehrt Artikel über die individuellen Bedürfnisse junger Familien in der Tiroler Bauernzeitung.


Auswirkungen auf das Entscheidungs- Innovations- und Investitionsverhalten am Bauernhof


Investitionen in die infrastruktur stellen eine zentrale Komponente für die Entwicklung des Angebotes bäuerlicher Vermieter dar. Tiroler Bauernhöfe weisen dabei unterschiedliche investitionsmuster auf: Einige Betriebe verlagern ihre investitionen vom landwirtschaftlichen Sektor in den touristischen Bereich. Bei diesen Betrieben fungiert die Landwirtschaft vorrangig als notwendige Basis für die Vermietung. Für andere landwirtschaftliche Betriebe bleibt trotz Engagement in der Vermietung der landwirtschaftliche Produktionssektor im Vordergrund. Jene landwirtschaftlichen Betriebe, die sich im Tourismussektor betätigen, tätigen allerdings in der Regel früher Investitionen im Bereich des Haushaltes als Betriebe ohne touristische Aktivitäten. Die investitionen in den Haushalt sowie in die sanitären Einrichtungen kommen wiederum nicht nur den Gästen, sondern auch den bäuerlichen Familien selbst zu Gute. ihr Lebensstandard steigt damit erheblich an. Ein interviewpartner führte als Beispiel an, dass er sich als junger Bursche noch im Brunnen vor dem Bauernhaus gewaschen habe und erst mit der Vermietung das Fliesswasser ins Haus geleitet wurde. Laut Aussage einer anderen interviewpartnerin wurden investitionen in den Haushalt zugunsten von Anschaffungen für den landwirtschaftlichen Betrieb generell zurückgestellt. Mit den Einnahmen aus der Vermietung, über die hauptsächlich